Da bleibt Darth Vader die Luft weg

Großes Kino: Stadtkapelle Erding begeistert nicht nur mit Star Wars das Publikum

Ein Artikel aus dem Erdinger Anzeiger vom 31. März 2026:

Erding – Beim diesjährigen Konzert der Stadtkapelle Erding am Samstagabend gingen gleich zwei langgehegte Wünsche von Dirigent Martin Hirsch in Erfüllung: Im Jugendorchester gab es erstmals eine Kooperation mit der Kreismusikschule, fünf Schüler von dort ergänzten mit Flöte, Trompete, Horn und zwei Klarinetten das beachtliche Klangspektrum der jungen Stadtkapellen-Musiker. Der Vorsitzende der Stadtkapelle, Christoph Träger, sprach bei seiner Begrüßungsrede von einem „Projektmeilenstein“.

KMS-Schüler im Jugendorchester

Tatsächlich hatte Hirsch schon seit Jahren die Idee, den Nachwuchs-Blasmusikern der KMS im Jugendorchester der Stadtkapelle eine Bühne zu bieten. Im Musikland Österreich sei es schon immer gelebte Praxis, dass die Musiker aus den Schulen in die regionalen Orchester eintreten. Anders als bei der KMS hätten die Ausbildungsstätten dort keine eigenen Orchester, weiß Konzertmeisterin Claudia Hirsch, die selbst oft mit Ensembles in Österreich auftritt.

Beim ersten gemeinsamen Auftritt des laut Träger „spontan umbenannten Jugendprojektorchesters“ offenbarte sich die Idee im harmonischen Zusammenspiel der jungen Musiker als Glücksgriff: Von orientalischen Abenteuern des Ali Baba bis hin zu John Williams´ Filmmusik aus Harry Potter intonierte das Jugendprojektorchester szenische Bilder mit beeindruckender Klangfülle. Applaus gab‘s dafür sowohl vor als auch hinter der Bühne, wo die erwachsenen Stadtkapellen-Musiker den Nachwuchs lautstark feierten.

Der zweite Wunsch des Stadtkapellen-Dirigenten stellte die Mitglieder, die zum größten Teil Musik als Hobby betreiben, vor eine echte Herausforderung: Vier Jahre lag die Partitur für das zentrale Stück des diesjährigen Konzerts schon in Hirschs Schublade, „damals war das Orchester noch nicht so weit.“ In diesem Jahr schon: Hirsch führte seine Musiker souverän durch die schwierige Tonsprache der monumentalen Star-Wars-Saga, die Johan de Meij aus einem Medley des Filmmusik-Meisters John Williams für Blasorchester arrangiert hat.

Scheinbar mühelos bewältigten die Musiker die schnellen Techniken und großen Sprünge der Musik, die für ein Symphonieorchester komponiert wurde. Doch bevor sich die Melodie Gänsehaut-anregend über das begeisterte Publikum ergoss oder der bedrohliche Darth Vader durch die Reihen schritt, waren hunderte Übungsstunden angesetzt.

Ruhiger Höhepunkt mit Gabriels Oboe

Denn Dirigent und Konzertmeisterin sind Perfektionisten: „Es ist erst dann gut, wenn alle richtig spielen.“ Die vielen Proben, in denen sich Stimme für Stimme, Register für Register wie ein Puzzle zu einem großen Klangbild zusammenfügten, trugen reife Früchte – nicht nur bei Star Wars, aber eben vor allem da. John Williams wäre hingerissen gewesen.

Moderatorin Rebecca Holzner moderierte charmant und mit oder ohne KI wortgewandt von einem Höhepunkt zum nächsten: Allen voran die Klarinetten begleiteten Julia Lichtenegger, Instrumentalpädagogin im österreichischen Landesmusikschulwerk, durch das meisterhaftes Stück „Gabriels Oboe“ von Ennio Morricone.

Danach durfte die Anspannung abfallen: Nach zehn Jahren ließ der Dirigent Orchester und Publikum wieder in Dschungelbuch-Kindheitserinnerungen schwelgen. So ganz gemütlich wie der Bär Balu das Leben nimmt, geht‘s instrumental natürlich nicht durch das Dschungelabenteuer, aber nach der galaktischen Schwerstarbeit spielten alle befreit auf.

Schon den ersten Teil hatte Hirsch klug geplant: Mit einem Wechsel von Stücken wie „Hounds of Spring“, wo die Musiker „Stuhl Vorderkante sitzen“ bis zur schwungvollen Konzert-Suite „Deliverance“, „wo jeder weiß, was er zu tun hat“ gönnte er seinem Orchester regenerative Phasen, ohne an Niveau einzubüßen.

Ein spanischer Pasodoble mit australischem Namen entließ das Publikum mit hoher Erwartung in die Pause, nach der Hirsch ein ganz neues Musikuniversum eröffnete.

„Die Stadthalle ist zu klein für mich“, sagte er einmal scherzhaft, weil er Mühe hatte, sich durch die mit 60 Musikern dicht besetzten Reihen zu zwängen. Nach diesem fantastischen Konzerterlebnis könnte man diesen Satz für ihn und sein Orchester auch anders interpretieren.